Die Poesie des Zwitscherns
16. August 2009 | Author: Anja Krieger | Kategorie: Letzte Artikel
Twitter ist die Mischung aus völlig banalen Mitteilungen und, wenn es die Ereignisse so wollen, schneller, aber unzuverlässiger Nachrichten - so etwa wird das Mikroblogging oft in den klassischen Medien dargestellt. Dabei wird vergessen, dass Twittern auch eine ästhetische Art der Kommunikation sein kann, deren 140-Zeichen-Begrenzung herausfordert und inspiriert - ähnlich etwa der komprimierten Form von Limericks oder japanischen Haikus. Journalistin Else Buschheuer meinte kürzlich nach einem Selbstversuch: “Twitter ist Dada”. Dass die Poesie des Zwitscherns viel weiter geht, möchte das Literatur-Café zeigen. Per Twitter rief das Blog im Februar und März zu einem Twitter-Lyrik-Wettbewerb aus. Insgesamt 300 lyrische Tweets gingen daraufhin bei der Jury ein. 238 davon sind nun als Buch erschienen: “Twitter-Lyrik - Gedichte mit (maximal) 140 Zeichen”.
Die Wettbewerbsgewinnerin ist keine notorische Twitterin, zumindest nicht innerhalb des Twitter-Accounts, auf dem sie ihren Beitrag veröffentlichte: @Nanuscha überzeugte die Jury mit einem Tweet zum klassischen Thema der Vergänglichkeit oder auch “Vanitas” - und das war auch schon das einzige, was unter dem Namen @Nanuscha alias Nuscha Ferber je veröffentlicht wurde:
Hier der Link zur Begründung der Juryentscheidung und zu weiteren von der Jury hervorrgehobenden Lyrik-Tweets. Ihren Gewinn hat Nuscha Ferber übrigens immer noch nicht abgeholt.
Das Buch erscheint in keiner festen Auflage, sondern im Print-on-demand-Verfahren, wird also immer dann gedruckt, wenn es jemand bestellt. Das Literatur-Café bietet unter www.twitter-lyrik.de zudem ein kostenloses E-Book im PDF-Format an. Begründung: Die Herausgeber möchten sich gegen Verlage abgrenzen, die aus Literatur-Wettbewerben Profit schlagen, indem sie Wettbewerbe ausschreiben, alle Wettbewerber gewinnen und sich dann von ebenjenen die Exemplare abkaufen lassen (siehe dazu auch die Ursprünge der Flarf-Bewegung).
Wer Spaß an Literatur und Twitter hat, dem sei auch noch mal die TwitKrit empfohlen - hier schreibt ein twittererfahrenes Kollektiv wundervoll-komische Ausdeutungen der scheinbar so banalen Nachrichten aus dem Web.
Twitter-Lyrik-Logo: www.twitter-lyrik.de






