Ammann Verlag wird eingestellt

11. August 2009 | Author: Anja Krieger | Kategorie: Letzte Artikel

cover Die Nachricht erschütterte die Feuilletons: Der Ammann Verlag wird Mitte 2010 seine publizistische Verlagsarbeit beenden. Das teilte Egon Ammann am Montag mit. Die Einstellung des Verlags nach 29 Jahren begründete der Verleger mit dem “fortgeschrittenen Alter der Verleger” und der zunehmend schwierigeren Marktsituation im Bereich Literatur. Zudem sei “ein Verlag mit dem Profil des Ammann Verlags eng an die verantwortlichen Personen gebunden” und könne ohne sie nicht fortbestehen.

Der Ammann-Verlag wurde 1981 von Egon Ammann und seiner Frau Marie-Luise Flammersfeld gegründet. Internationale Aufmerksamkeit erreicht der Verlag mit seiner ersten Publikation “Die Tessinerin” von Thomas Hürlimann. Das Frühjahrsprogramm 2010 wird das letzte sein. Ammann zieht eine positive Bilanz. Auf der Verlagsseite heißt es:

In 29 Jahren hat der Verlag zahlreiche zeitgenössische deutsch- und fremdsprachige Autoren aus allen fünf Erdteilen entdeckt und gefördert. Bedeutende Werke der Weltliteratur sind zum Teil erstmals in deutscher Sprache übersetzt und veröffentlicht worden. Ammann hat gegen 1000 Titel publiziert, viele der Titel wurden von der Literaturkritik gefeiert und mit Auszeichnungen und Preisen bedacht, viele von der Leserschaft geliebt wie die Bücher des Bestseller-Autors Éric-Emmanuel Schmitt.

Dass es doch vor allem die Zahlen gewesen sind, die Ammann zur Aufgabe zwangen, glaubt die FAZ. Denn eigentlich habe Ammann doch Pläne gehabt für das nur noch ein Jahr entfernte dreißigste Jubiläum des Verlags. Ammanns “Gespür für literarisches Talent und wichtige Bücher” hätten den Verlag zu “einer der wichtigsten und renommiertesten literarischen Adressen” gemacht, bedauert die Zeitung und befürchtet: “Die Nachricht, dass Ammann aufgibt, ist ein Fanal für die ganze Branche.”

Ammann sieht die Sache nüchterner. Dem Tagesanzeiger erklärte er:

Wir sind angetreten, um Literatur als Kunst zu machen und nicht einfach Bücher. Wir haben sehr viele unbekannte Autoren verlegt, die sich erst etablieren mussten. Das ist teuer und risikobehaftet. Dieses Geschäft ist sehr schwierig geworden. Um weiterzumachen, hätte ich das ganze Internet-Business lernen müssen, ohne das geht es heute nicht mehr. Ich bin knapp vor 70, da will und kann ich das nicht mehr lernen. Deshalb die Einsicht: Eigentlich bin ich müde, ich habe genug gemacht, jetzt bleibe ich mal still, jetzt wird zugemacht.

Ein Verkauf wurde wohl zunächst erwogen, wie Perlentaucher Thierry Chervel im Ententeich schreibt, “aber eine Fortexistenz als Imprint eines anderen Verlages sei für Egon Ammann nicht denkbar gewesen.”

Während die Presse von einem “schwer zu ertragenden”, “herben Verlust” sprach, antwortete Ammann dem Tagesanzeiger auf die Frage, wie es sei, sein Lebenswerk aufgeben zu müssen, lakonisch: “So schlimm ist das nun auch wieder nicht. Alles geht irgendwann zu Ende.”

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