E-Books: Wohin geht die Reise?
10. August 2009 | Author: Anja Krieger | Kategorie: Letzte Artikel
Die Zukunft der E-Books ist zur Zeit das große Thema in Literaturbetrieb und Medien. Welche Reader werden sich durchsetzen, wird das E-Book den Buchmarkt schädigen, wie geht man mit den Rechten um, was können und dürfen E-Book-Anbieter? Hier die wichtigsten Debatten und Ereignisse des letzten Monats.
Das ferngesteuerte E-Book: Kindle und “Orwells Rache”
Mitte Juli löschte Amazon bereits verkaufte Bücher auf den Kindle-Readern seiner Kunden - ausgerechnet Orwells “1984″ und “Animal Farm”. Dem Drittanbieter, der die Bücher verkauft hatte, fehlten die Rechte. Über die Synchronisierungsfunktion des Readers wurden die Bücher kurzerhand entfernt, der Kaufpreis wurde rückerstattet. Ein “PR-Desaster” (c’t) mit ironischer Komponente, denn Orwells “1984″ entwirft die Dystopie einer Überwachungsgesellschaft, in der unliebsame Dokumente in einem “Gedächtnisloch” verschwinden. “Amazon sends Orwell to ‘memory hole’” titelte denn auch AFP am 18. Juli, die FAZ kommentierte das Debakel als “Orwells Rache“. Durch die Löschung verloren auch die persönlichen Notizen, die sich die Kunden zu den Büchern gemacht haben, ihre Funktion. Ein Schüler aus Michigan verklagte Amazon deshalb. Amazon will in Zukunft auf Löschungen verzichten, doch einigen Kindle-Benutzern reicht das nicht - sie fordern ein Update der Software, das die Zugriffsfunktion außer Kraft setzt. Amazon kann dadurch Bücher nicht nur nachträglich löschen, sondern auch verändern. Um die Löschung zu verhindern, können Kindle-Leser ihre E-Books auf dem PC sichern, auf den Amazon dann keinen Zugriff mehr hat.
Der ‘geschenkte’ E-Reader: Sonys Preisattacke auf Amazons Kindle
Den Kindle-Reader gibt es bisher nur in den USA. Sony geht jetzt mit einem günstigen Reader ins Rennen. Ende August sollen zwei Modelle in den USA auf den Markt kommen, eins davon für nur 200$. Damit ist Sonys Reader deutlich günstiger als Amazons Kindle 2, das im Einzelhandel $300 kostet. Mit dem Preis schlägt Sony auch andere E-Books, wie das Cool-er. Sony kooperiert zudem mit Google - Benutzer von Sony-Readern können jetzt auf eine Million Bücher aus dem GoogleBooks-Bestand zugreifen, allerdings nur aus den USA (siehe neuerdings).
Der integrierte E-Reader: E-Books auf dem iPhone
Ein Handheld für alles - das will das iPhone sein. Auch E-Books kann man auf dem Gerät lesen: Im iTunes-Store kann man E-Books herunterladen, Anbieter wie texttunes bieten E-Books speziell für das iPhone an. Obwohl das iPhone mit dem Kindle konkurriert, bietet Amazon eine iPhone-App für Kindle-Titel. Das Online-Versandhaus hält mittlerweile auch die Mehrheitsanteile an der derzeit wichtigsten iPhone E-Book-Application Stanza, verdient also hier ebenfalls mit. Im App Store kann man übrigens eine Freiversion von Stanza herunterladen. Allerdings lassen sich E-Books noch nicht direkt vom iPhone aus kaufen. Und ein großer technischer Nachteil des iPhones gegenüber speziellen E-Book-Readern ist die geringe Akkulaufzeit. Nur beim Blättern verbrauchen E-Book-Reader Strom, das iPhone hingegen frisst kontinuierlich. Zudem wird den Readern eine bessere Lesequalität nachgesagt. Wer sich fürs Lesen auf dem iPhone entscheidet, aber wehmütig ans schöne alte Buch denkt, kann zur Schere greifen und sich das Moleskine iPhone basteln. Das und mehr dazu, wie man sein iPhone als E-Reader nutzt, steht im Gadget Lab von Wired, wo man das iPhone als Reader der Zukunft sieht: “With around six million iPhone owners out there already, plus an unknown number of iPod Touch users, the potential market for e-books is huge. This really could be the tipping point when electronic books go mainstream.” Zur Zeit gibt es aber auch Gerüchte, dass Apple mit einem eigenen Tablet, einem superkleinen Allround-PC mit Multitouchscreen zu Weihnachten oder sogar früher herauskommt, der dann auch als E-Reader fungieren könnte.
Das bedrohliche E-Book: Ängstliche Verlage, die Rechtefrage und das “Monopoly” der Internetriesen
Obwohl das E-Book in aller Munde ist, scheint deutschen Verlagen der Übergang zum neuen Medium schwer zu fallen. “Tatsächlich drängt sich der Eindruck auf, dass viele Buchverlage derzeit wie das gebannte Kaninchen auf die Schlange starren, anstatt selbst neue Wege in Richtung der digitalen Produkte einzuschlagen”, kommentiert Carta. Mehr “Enthusiasmus und Entdeckerfreude” bei den Verlegern wünscht sich deshalb Jörg Gerschlauer im Börsenblatt. Carta stellt fest, dass es für die Verlage höchste Zeit ist, den E-Book-Markt zu bespielen, bevor ihn Amazon, Apple, Google, Sony oder Barnes & Noble ganz für sich einnehmen. Denn nicht nur um das Austesten von Geschäftsmodellen, sondern auch um Monopolbildung gehe es. Apple wie Amazon haben geschlossene und wenig fremdkompatible Systeme geschaffen, mit denen sie zu langfristiger Marktkontrolle streben.
Hinzu kommt die Urheberrechtsfrage: Wer darf unter welchen Bedingungen Bücher als E-Books zur Verfügung stellen. Hier steht besonders das Digitalisierungsprojekt von GoogleBooks unter Beschuss, das in den USA aber durch das Google Book Search Settlement eine Regelung findet. Hierzulande erhitzen sich weiter die Gemüter, unter anderem geben die Initiatoren des Heidelberger Appell weiterhin ordentlich Feuer gegen Google. Mehr zur Urheberrechtsdebatte hier. In der letzten Woche ging die Nachricht um, Apple habe seinen iTunes-Store “wegen wiederholter Urheberrechtsverletzungen” für E-Books und E-Book-Apps ganz gesperrt, auch für Anbieter mit gültigen Publikationsrechten. Apple hat die Nachricht mittlerweile dementiert. Manche Anbieter bieten auch rechtefreie E-Books, wie zum Beispiel bei O’Reilly OpenBooks, die unter der GNU-Lizenz erscheinen. Literatur wird man bei diesem technikaffinen Verlag natürlich vergeblich suchen.
Das exklusive E-Book: Verleihsperre und Piratentum
Kopierschutz oder DRM (Digital Rights Management) sollen verhindern, dass E-Books verbreitet werden können. Viele Kunden stören sich an der Tatsache, dass sie die häufig als teuer empfundenen Dateien nicht weitergeben können - man könne doch ein echtes Buch auch hinterher an Freunde verleihen oder verkaufen. In Deutschland wird in diesem Zusammenhang die Buchpreisbindung von E-Books kritisiert. Dass es entsprechende Software geben wird, mit der der Kopierschutz geknackt werden kann, ist mehr als wahrscheinlich.







Eine kleine Anmerkung zu diesem interessanten Beitrag.
Es sehr wohl möglich auch über Stanza eBooks direkt vom iPhone zu kaufen. Wir bieten das seid einiger Zeit an.
Eine Anleitung gibt es unter http://www.ebook-journal.de/iphone