Duden-Konkurrenz geht online
29. Juli 2009 | Author: Anja Krieger | Kategorie: Letzte Artikel
Der Klett-Verlag bietet seit kurzem ein Nachschlagewerk der deutschen Sprache kostenfrei im Netz an - kurz nach Erscheinen der 25. Auflage des Marktführers Duden. Philipp Haußmann, Vorstandschef bei Klett, spricht in der FAZ von einem “Paradigmenwechsel”. Die Klett-Marke “Pons” ist bereits im Bereich Fremdsprachen gut etabliert. Nun kann man auf dem Sprachenportal pons.eu auch die Funktion “Deutsche Rechtschreibung” als Suchfilter wählen. Die “Gratisinhalte auf höchstem Niveau” (FAZ) fordern den Konkurrenten Duden heraus. 10 bis 20 Prozent Marktanteil möchte Klett mit seinem neuen Angebot erreichen und baut auf Werbeeinnahmen. Ähnlich wie bei Wikipedia wird das Fremdsprachen-Angebot auf pons.eu auch von den Usern mitgestalt, schreibt die FAZ. Beim der neuen Rechtschreibe-Funktion für Deutsch gebe es aber eine Redaktion.
Die Welt scheint von dieser redaktionellen Prüfung nichts zu wissen und spricht vom möglichen Ende des “hierarchischen Prinzips der Rechtschreibung”.
Jetzt geht in der Verlagsbranche die Sorge um, dass nach den Lexika die nächste Gattung den Gratis-Inhalten im Netz zum Opfer fallen könnte. Wenn es so kommt, wird womöglich auch das hierarchische Prinzip der Rechtschreibung zum Auslaufmodell. Bisher setzt der Duden die Regeln fest. Im Internet sind es die Nutzer, die Inhalte produzieren und weiterbearbeiten…
Lob findet die Welt für die Tatsache, dass auf der Seite schon erstmals im neuen Duden integrierte Wörter zu finden sind, wie “Abwrackprämie” oder “Ehrenmord”.
Für den Buchreport ist der “Coup” des Hauses Klett vor allem eine gelungene Marketing-Maßnahme:
Nach Brancheneinschätzungen wird das Angebot den vom Duden beherrschten Deutsch-Wörterbuchmarkt kurzfristig kaum aufmischen können. Als interessanter gilt die strategische Perspektive:
- Klett arrondiert und festigt sein Deutsch-Lehrbuchsegment.
- Im besetzten Rechtschreib-Markt kann der Verlag als Neueinsteiger mit dem ergänzenden Online-Angebot nur gewinnen und hat sich im publizistischen Sommerloch der Publikumspresse entsprechende Aufmerksamkeit gesichert.
- Pons präsentiert sich im Vergleich zu Duden und Langenscheidt im Fremdsprachenbereich als frische Marke, die sich online durch Feedback- und Mitmachfunktionen, aber auch durch die Verlinkung von Ergebnissen mit externen Online-Angeboten vernetzt.
Der Standard lobt Klett/Pons für den Abbau von “Schutzdämmen” und vergleicht die Netzstrategie mit der des großen Konkurrenten:
Beim Duden-Verlag, der wie kein anderer Anbieter für die deutsche Rechtschreibung steht, hat das Internet eine andere Rolle. “Das ist das Schaufenster, um auf unsere Problemlösungen aufmerksam zu machen”, sagt Verlagssprecher Klaus Holoch. Die Möglichkeit, die Rechtschreibung einzelner Begriffe online nachzuschlagen, gebe es schon seit fünf Jahren, sei aber nur ein ergänzender Service. [...]
Wer den vollständigen Eintrag im Universalwörterbuch bei duden.de lesen will, muss ein Abo haben - für monatlich 7,95 Euro. Kostenpflichtig soll auch ein Online-Korrekturprogramm werden, das derzeit in Entwicklung ist. Einen Termin für die Fertigstellung gibt es noch nicht.






