Die Verlagsstarterinnen

15. Juni 2009 | Author: Anja Krieger | Kategorie: Letzte Artikel

Verlagsstarterinnen Wo sind die schrägen, literarischen Antihelden für unsere Kinder? fragten sich die Berlinerinnen Dorothea Martin und Caroline Peper. Die Freundinnen waren auf Weltreise, einmal Berlin, Kalifornien, Neuseeland, Hongkong und zurück. Die lange ersehnte Auszeit brachte die Inspiration, und die den Plan: Wir gründen einfach selber einen Verlag.

Auf Spaziergängen durch den neuseeländischen Dschungel begegneten ihnen die zwei ersten Hauptfiguren für ihr Projekt. Wie die genau aussehen, verraten sie noch nicht, dafür, wohin es gehen soll: “Pippi Langstrumpf würde heute so gar nicht mehr verlegt”, sagt Caroline, „sie wäre ein Vorbild. Unsere Figuren können aber ruhig noch frecher sein”. Auch Harry Potter ist ihnen zu brav: “Der macht halt immer alles richtig.” Den Berlinerinnen schweben “Antihelden” mit Ecken und Kanten vor, die nicht moralisieren und in deren Geschichte nicht immer “alle Probleme glattgebügelt” werden.

Mit der Vision im Kopf flogen Dorothea und Caroline zurück nach Berlin und begannen Recherche und Planungen für ihren neuen Verlag. Bald schon stießen sie auf die ersten Hindernisse und mussten sich eingestehen, dass sie doch noch etwas grün hinter den Ohren waren, was die Managementseite des Verlagswesens anging. Theaterwissenschaftlerin Dorothea ist zwar passionierte Buchliebhaberin, hatte schon in Verlagen und Buchhandel gearbeitet und wusste, “Texte sind mein Ding”, Caroline hat langjährige Erfahrung als Journalistin und Autorin – aber fürs Verlagsgründen fehlte beiden doch noch einiges an Know-How.

Schon die Sache mit dem Namen für ihren neuen Verlag entpuppte sich als ziemlich komplizierte Angelegenheit: Ihr Wunschname kam im Titel einer englischsprachigen Cartoonserie vor, die sich das Namensrecht auch für den Bereich der beiden Verlagsgründerinnen in spe gesichert hatte. Obwohl das “Foster’s Home for Imaginary Friends” davon keinen Gebrauch machte, waren die “Imaginary Friends” patentrechtlich zu kritisch. Drei Patentanwälte später gaben Dorothea und Caroline bei, und die Suche nach einem Namen begann von neuem.

Um ihr Projekt auf den Weg zu bringen, nahmen die beiden an einem Businessplan-Wettbewerb des Landes Berlin-Brandenburg teil. “Der Projektantrag war für uns eine echte Strukturierungshilfe”, sagt Dorothea, “wir wussten schon recht genau, wie unsere Produkte aussehen sollten, aber mit der wirtschaftlichen Seite hatten wir uns davor noch nicht umfassend befasst”. Im Rahmen des Projektantrages holten sich die beiden Profihilfe, aus der Vision wurde ein realistischer Plan.

Starthilfe gab ihnen auch das Blog, das sie sich als Notizblog und Informationsportal einrichteten: “Verlagsstarter - Verlagsgründung für Anfänger“. Mittlerweile verfolgen immer mehr Interessierte darüber, wie aus der Idee der beiden Schritt für Schritt Wirklichkeit wird. Durch das Blog vernetzten sich die jungen Verlagsstarterinnen außerdem und begannen damit auch indirekt Werbung für ihr Produkt zu machen – in Form eines vorgezogenen “Making of”. Das machen sie mittlerweile auch über Twitter unter dem Namen @verlagsstarter.

Jung, intermedial, technologieoffen – so wollen die beiden Gründerinnen auch später junge Menschen zum Lesen animieren und ihnen dann das bieten, was große Verlage ihrer Ansicht nach nicht produzieren - unangepasste und besondere Literatur für Kinder und Jugendliche.

Ein Team haben sie schon, und wenn der Plan aufgeht, dann müssen ihre zwölf festen und auch die freien Mitarbeiter bald nicht mehr nur mit „Huldigungen, gutem Essen und Freiexemplaren“ auskommen.

Foto von Dorothea Martin mit (von links nach rechts): Popsikel by Ninon/ gestrickter Chinkinki (Tikki) by Pikininiz (hand made New Zealand) / Carooo (handmade by Doris, Dtl) / Kiwi by NativeZ (NZ)

Tags: ,

Kommentar schreiben