Die Sache mit dem Hasen
10. April 2009 | Author: Anja Krieger | Kategorie: Letzte ArtikelDer Osterhase ist schon ein merkwürdiges Tierchen: Kommt aus nicht ganz einsichtigen Gründen einmal im Jahr vorbei und versteckt Eier. Wenn sich Dichter und Denker des Problems annehmen, passiert meist, was für die zynische Postmoderne sehr typisch ist: Der Hase wird dekonstruiert.
Im großen trilogischen Osterhasen-Zyklus von H.E. Daisy von 1999 entpuppt sich das Langohr als bequemer, fernsehsüchtiger Macho mit Hang zu Rennautos. Seinen österlichen Pflichten kommt er nur widerwillig nach. Um sich nicht lange damit aufzuhalten, versucht er sie abzukürzen - und findet damit das perfekte Argument, um sich ein schönes Rennauto zu kaufen. Doch am Ende scheitert er an seiner Körpergröße.
Der Osterhasen-Zyklus beweist: Auch der Osterhase ist ein Langohr mit ganz normalen Schwächen. Sogar der weltwichtigste Hase scheitert mitunter an der Realität. Aber im Grunde macht ihn das nur noch liebenswerter.
Geradezu unheimlich hingegen ist das Bild, das Joachim Ringelnatz in „Und der Osterhase legt“ zeichnet. Dort erscheint der sonst so sympathische Hase als groteskes Monster, das seine Eier unter schauerlichem Stöhnen produziert. Doch immerhin glaubt Ringelnatz noch an den Osterhasen. Vollends bestürzend ist hingegen Erich Kästners Geschichte „Entlarvung des Osterhasen“. Dort unterbreitet ein Klassenlehrer seinen Schülern die grausame Wahrheit: Der Osterhase existiert nicht.
Aber das ist natürlich nur Fiktion. Natürlich gibt es den Osterhasen. Und wenn man ihn die Tage nicht persönlich sieht, dann ist er wahrscheinlich bloß zuhause vor dem Fernseher bei der Formel 1 hängen geblieben.







