Brockhaus und Wikipedia unter einem Dach?

18. Dezember 2008 | Author: Anja Krieger | Kategorie: Letzte Artikel

BrockhausWie gestern bekannt wurde, hat das Bibliographische Institut nach Millionenverlusten Inhalte und Rechte des renommierten Brockhaus-Lexikons an die wissenmedia GmbH verkauft. Wissenmedia ist Teil der InmediaOne-Gruppe, einer Tochterfirma der arvato AG. Die wiederum gehört - surprise, surprise! - zu Bertelsmann.

Stimmt das Bundeskartellamt der Übernahme zu, wechselt der Brockhaus zum Februar 2009 den Besitzer und geht mit ein in Europas größten Medienkonzern. Knapp 6,5 Millionen Euro Verlust wies das Bibliographische Institut für 2007 aus, immer mehr sanken die Verkaufszahlen des teuren Lexikon-Regalriesens, der zuletzt 2670 Euro kostete. Insofern rettet der Verkauf jetzt, zunächst zumindest, die traditionsreiche Marke, die mit 93 Prozent Bekanntheitsgrad in der Bevölkerung zu den bekanntesten Marken Deutschlands gehört.

Besonders das Internet und die dort frei verfügbaren Alternativen wie Wikipedia hatten Brockhaus in letzter Zeit zu schaffen gemacht. Zu allem Übel hatte der Stern kürzlich Wikipedia, zuvor behaftet mit dem Ruf, eine unprofessionell zusammengestellte und leicht manipulierbare Quelle von Halbwissen zu sein, mit dem Brockhaus verglichen und war zu dem Schluss gekommen, das beide Nachschlagewerke ihre Vor- und Nachteile hätten und die Wikipedia durchaus gut mithalten könne.

Nachdem man sich lange aus dem Online-Bereich ferngehalten hatte, schien das Mannheimer Verlagshaus nun einzusehen, dass man sich dem Internet doch öffnen müsse, und plante sogar angeblich den vollständigen Schritt in die Online-Welt. Der fand jedoch nie statt. Die neuen Besitzer halten den Brockhaus vor allem in gedruckter Form für profitabel. Er solle weiter “haptisch und repräsentativ” die Regale füllen dürfen, denn “sowohl gedruckte Lexika als auch Online-Enzyklopädien haben ihren festen Platz in der Zukunft”, meint Christoph Hünermann, Geschäftsführer der wissenmedia GmbH. Ein Online-Brockhaus sei jedoch nicht geplant.

Vielleicht landet der Brockhaus aber über Umwege doch noch online, glaubt Ole Reißmann von der Medienlese: Denn die wissenmedia GmbH arbeitet auch am Online-Lexikon „Spiegel Wissen“, in das zur Zeit neben Inhalten des Bertelsmann-Lexikons auch Artikel aus der Wikipedia einfließen. Hier könnte nun das Brockhaus-Wissen Seite an Seite mit dem aus Wikipedia stehen, das User-generierte Wissen könnte mit der bildungsbürgerlichen Institution zu einem Lexikon fusionieren, in dem sich die beiden sinnvoll ergänzen.

Man wird sehen, ob wissenmedia, so die Übernahme kartellrechtlich genehmigt wird, auch auf die Idee kommt, dass eine solche Synthese sinnvoll (und vor allem nicht gewinnschädigend für ihr neues Adoptivtöchterchen Print-Brockhaus) sein könnte. Dann gäb es Online die Möglichkeit, sowohl auf das fundierte wie das schnelle dezentrale Wissen mit einem Klick zuzugreifen.

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Pressemitteilung der arvato GmbH
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