Kein Buch unterm Baum

5. Dezember 2008 | Author: Anja Krieger | Kategorie: Letzte Artikel

stiftunglesen45 Prozent aller 14- bis 19-Jährigen haben nach eigenen Angaben als Kind nie ein Buch geschenkt bekommen. Dies ist eines der Ergebnisse der neuen Studie “Lesen in Deutschland 2008″ der Stiftung Lesen. Dadurch fehle jungen Menschen ein “besonders wichtiger Leseimpuls”, so die Stiftung in einer Pressemitteilung zur Veröffentlichung der Studie. Die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte repräsentative Umfrage wurde seit dem Jahr 2000 unter 2500 Jugendlichen und Erwachsenen durchgeführt. Ihrzufolge liest in Deutschland “jeder Vierte niemals ein Buch”.

Laut Stiftung Lesen deuten die Ergebnisse aber nicht darauf hin, dass der Bildschirm das gedruckte Wort verdränge und zu einer Zerstörung der bisherigen Lesekultur führe: “Lesen am Bildschirm ist im Alltag angekommen – dennoch möchte die Mehrheit nicht auf gedruckte Bücher verzichten.” Gedrucktes würde “weiterhin als besonders glaubwürdig empfunden” und biete “offenbar mehr Orientierungshilfe: 20 Prozent beklagen, dass sie sich beim Lesen am Bildschirm verzetteln.” Unverändert bleibe zwar der “harte Kern der Vielleser”, die mehr als 50 Bücher pro Jahr lesen. Er lag wie schon bei den Vorgängerstudien 1992 und 2000 bei 3 Prozent. Auf dem Rückzug befände sich hingegen der “klassische Gelegenheitsleser”, der ein bis vier Büchern pro Monat konsumiere: Seit 2000 sei sein Anteil von 31 auf 25% gefallen.

Sechs Lesetypen unterscheidet die Studie: 24 Prozent gehörten zu den “Lesefreunden”, die Lesen emotional hoch schätzten. 20 Prozent gelten ihr als “informationsaffine” Leser. 12 Prozent seien “Vielmediennutzer”, die sowohl Buch als auch Computer zur Lektüre nutzten. 11 Prozent würden als “elektronikaffine Mediennutzern” den Computer vorziehen. Zwar den prozentual geringsten Anteil, aber immerhin doch 8 Prozent, machen die “Medienabstinenten” aus, die “alle Medien für ‘Ballast’” halten. Die prozentual größte Gruppe ist mit 25% die der “Leseabstinenten”, für die Lesen eine mühevolle Aufgabe darstellt.

Bei Menschen mit Migrationshintergrund sei das Ergebnis laut Stiftung Lesen hingegen “bemerkenswert”: “36 Prozent von ihnen lesen ein- oder mehrmals in der Woche und 11 Prozent sogar täglich. Damit greifen sie mindestens ebenso häufig zum Buch wie der Bevölkerungsdurchschnitt mit 36 Prozent wöchentlichen bzw. 8 Prozent täglichen Lesern.” Andreas Storm, Parlamentarischer Staatssekretär für Bildung und Forschung, sieht in diesen Lesern “eine neue ‘Lese-Mittelschicht’ - mit großem bildungspolitischen Potenzial”, diese Leser seien “wichtige Multiplikatoren, um bildungsferne Schichten zu erreichen.”

Für Anfang 2009 plant die Stiftung Lesen die Vorstellung einer Print-Publikation zur Studie im Rahmen des Fachtages “Lesen in Deutschland”.

Quelle: Pressemitteilung, Stiftung Lesen, 4. Dezember 2008

Dokumentation der Ergebnisse zum Download hier

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